Diskussion

Demokratie, Wirtschaft

 of  Hans Rueckstaedter  /  von Hans Rückstädter  


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s.a. http://www.realdemokratie.de

Sehr geehrter Herr Manfred Müller

Ihre politische Diskussionen erscheinen mir ehrlich und man freut sich, auch andere Meinungen zu lesen. Nur im Stil wird oft zu emotional argumentiert. Unter Emotionen verliert man leicht den Überblick. Sie geben leider Ihre Lösungen (zu schnell) als DIE Lösungen aus. Trotzdem danke für Ihr Forum.

Allerdings müßte ich auch dort manchen Meinungen widersprechen, z.B. der generellen Zins- bzw. Kapitalismus-Kritik einiger Schreiber. Ein Schuldner-Zins enthält auch das Risiko für den potentiellen Verlust des ausgeliehenen Geldes. Das wird immer wieder ignoriert und es werden positiv verlaufende, utopischen Rechnungen über Jahrhunderte aufgemacht, um den Zins als unsinnig darzustellen. Im WDR hörte ich dieses falsche Rechnung zuerst. Natürlich bleibt die Frage nach dem richtigen Zins. Da aber kommen Menschen mit ihrer Gier und Risiken in Betracht.

Ihre Kritik an der Demokratie ist berechtigt. Nur gibt es weitere Fehler, die Sie leider nicht alle berücksichtigen:

- Unsere Parteien, Organisationen, Medien usw. sind vollständig unterwandert. Daher kommt eben auch diese Uniformität.

- Die Mehrheit in einer Demokratie kann auch sachlich die falsche Meinung haben.

- Die Rekrutierung für Machtpositionen ist nicht mehr ungesteuert, sondern gesteuert durch undemokratische Strukturen.

- Bei einer Direktwahl durch das Volk werden durch die Auswahl der angebotenen Alternativen schon evtl. falsche Vorentscheidungen getroffen

- elektronische Wahlmaschinen in Wahllokalen oder Parlamenten können die echte Wahl ad Absurdum führen, das gilt auch für Internetwahlen in dem so leicht manipulierten Internet.

Ihre Lösung "Es müssten lediglich die Abstimmungen in den Parlamenten geheim stattfinden." ist zu kurz und evtl. sogar gefährlich, wenn man an elektronische Wahlmaschinen denkt.

Wenn man es einmal ketzerisch sagt, sind die Politiker nicht mehr dem Volke verplichtet, sondern von (undurchschaubaren Strukturen gelenkt) Kriminellen (Geldern) abhängig. Ebenso die großen Unternehmen. Die Freiheit ist ADE.

Evtl. können wir den korrupten Einfluß nur noch durch ein Demokratiesystem eindämmen, in dem der Zufall mitwirkt an der Auswahl von Entscheidungsträgern. Immerhin arbeitet die Natur auch so. Weiter sollten andere, bestimmte Bereiche (wie jetzt die Geldstabilität) von den Politikern auf autarke Ämter übertragen werden; allerdings bleibt die Auswahl der Personen in den Ämtern immer noch ein Problem. Es gibt keine perfekten Systeme.  s.a. http://www.rckstdtr.de

Bei Ihrer Kritik an der Globalisierung glaube ich, vergessen Sie den gewaltigen (bestimmenden) Einfluß der "kriminellen Gelder mit der entsprechenden Gesinnung dahinter" auf die Wirtschaft und Politik. Die freie Geldwirtschaft an sich allein dafür verantwortlich zu machen, trifft teilweise falsch. Wichtig zu sagen ist eben, daß das Großkapital (evtl.) mit Kriminalität kombiniert ist.

Oder das Großkapital ist mit einem nachkommunistischen Machtapparat kombiniert. Es ist eben keine freie Marktwirschaft in der Welt vorhanden. Die (großen) Unternehmen scheinen oft nur frei. Wie man aber dagegen ankommt? Ebenso wieder Zölle zu fordern, führt zurück in das Mittelalter. Besser wäre es z.B. doch die Subventionspolitik der reichen Staaten anzuprangern.

Richtig ist, daß die verhängnisvollen Lohnerhöhungen der letzten Jahrzehnte wirtschaftliche Probleme geschaffen haben, die wir jetzt ausbaden. Die Staatsausgaben sind zu hoch. Nur sagen die meisten Politiker das nicht, weil es unpopulär ist und weil andere sogar davon noch profitieren. So werden gute Sozialstrukturen beseitigt, nur um immer weiter diesen Fehler machen zu können. Im Augenblick wird der Ausgaben-Geldsäckel durch die Mehrwertsteuererhöhung wieder erhöht. Da kann die Klientel wieder gefüttert werden. Pöstchen, Pöstchen.

Der EU die Haupt-Schuld an der Misere der BRD zu geben, ist wohl ein Fehlschluß und ein Schritt zurück. Andere wohlhabende Staaten haben sich gut in der EU eingerichtet. Allerdings ist das demokratische System in der EU noch weniger verankert. Die Abgeordneten sind im Augenblick nur teuer bezahlte Kräfte ohne große Macht.

Mit freundlichen Grüßen,   Hans Rückstädter

Sehr geehrter Herr Manfred Müller,

danke für Ihre schnelle Antwort.

In dem Forum gibt es einen Beitrag zu dem Problem Altenheim in Wuppertal, Zwangseinweisung. Wissen Sie, ob der wahr ist?

Hier noch einige Gedanken in BLAUER SCHRIFT dazwischen:

Manfred Mueller wrote:

Vielen Dank für Ihr aufschlussreiches Schreiben. Nachstehend meine Anmerkungen.

Mit freundlichen Grüßen Manfred Julius Müller

>...

>Evtl. können wir den korrupten Einfluß ...

Ein perfektes System gibt es sicher nicht. Ich glaube aber immer noch, dass geheime Abstimmungen in den Parlamenten eine entscheidende Wende zum Guten bringen. Das Kapital/die Lobbyisten und auch die Parteispitzen verlieren damit die Kontrolle über "ihre" Leute.

>

Es gibt doch schon teilweise geheime Abstimmungen, s.a. SIMONIS-Wahl. Aber die Herden-Kontrolle kann auch über andere Dinge ausgeübt werden, wenn man davon ausgeht, daß gewissenlose Menschen, Strukturen unsichtbar steuern. Eben durch Bestechung, Erpressung, nur schwache, gut steuerbare oder "dumme" Personen werden befördert, andere sofort herausgeschossen, usw. Barschel war deswegen beseitigt worden. Auch Strauß kam deswegen nie zu dem Kanzleramt, obwohl er ein brillianter Kopf war.

>

>Bei Ihrer Kritik an der Globalisierung glaube ich,...

Die freie Geldwirtschaft mache ich nicht für die Globalisierung verantwortlich - das Kapital verfolgt seine Interessen und das ist   völlig normal. Zölle haben nichts mit Mittelalter zu tun - lebten wir in den 1970er Jahren noch im Mittelalter? Zölle bedeuten: Entmachtung des Kapitals. Der Zollprotektionismus wurde ausgetauscht durch den Subventionsprotektionismus (Förderung der Industrieansiedlung). Damit wurde das Zepter der Macht an das Kapital abgegeben. Ohne Portektionismus geht es aber in einer ungleichen Welt nicht, dann würden die Billiglohnländer alle Arbeit an sich reißen.

Leider glaube ich nicht an den Zoll, der nur etwas zu bewahren hilft, was unsozial ist. Und jetzt wird er nur noch Verzögerungen auf die Entwicklungen haben. Ein Zoll nach dem Motto: ich bin reich und das bleibe ich auch, egal, ob du verhungerst, begeistert mich nicht. Elend ist eine Vorraussetzung für Kriege!!!

Und die Zölle werden das Kapital sicher nicht entmachten. Da müßte man schon völlig enteignen und die Welt hatte das schon in verschiedenen Versionen. Und wenn diese Gesetze zu restriktiv sind - also so richtig greifen - , werden Verluste und Armut auf der ganzen Welt, also auch bei uns erzeugt.

Leider sind aber viele Probleme darin verwoben. Ein Problem ist die Überbevölkerung der Erde, die nach dem REICHWERDEN der Armen ihre Fratze als Umweltdesaster zeigen wird. Leider ein (fast unlösbares) Problem. Leider ein sicher unlösbares Problem, wenn die Menschheit nicht aufhört, sich zu vermehren. Schon jetzt bekriegen sich Völker um ein Stück Land - Israel usw. - oder auch um Vorräte wie Wasser, Öl - Russland usw. -

Auch wenn es nach Utopia klingt: Eine Lösung sehe ich in einer wirklich demokratischen UNO, die Weltgesetze bezgl. des Kapitals erläßt, um die Auswüchse zu begrenzen. Gedanken dieser Art hatte sogar der damalige Kommunist Gorbatschow. - Weltbürger -

Wenn die Welt sich nicht (bald) ändert, wird - wie immer - ein Preis dafür gezahlt. Und wie gehabt: Krieg steht immer auf der Preisliste. (Gerade aber Stalin hatte diese undemokratische UNO mitgestaltet.)

Über allem schwebt aber immer die Gefahr, die Machtgier einiger Menschen, Systeme. Und Kapital ist eine Form der Macht.

Ketzerisch: Also wie kriegt man lammfromme Schafe an die Macht, die auch noch technisch und sozial intelligent sind?

Mit freundlichen Grüßen, Hans Rückstädter


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