der Stimmboden-Krümmung eines Flügels ohne Umbau des Flügels
of Hans Rueckstaedter / von Hans Rückstädter
Problem und Vorgeschichte
Nach dem Kauf eines 30 Jahre alten Marken-Flügels mit 200 cm Länge stellte sich heraus, daß der Ton des Instruments nicht gut genug war. Der Flügel hatte einen zu trockenen "Küchen"- Klang. Die Bässe waren nicht sonor genug. Der Stimmboden - also die große waagerechte Holzfläche unter den Saiten - hatte aber keine sichtbaren Risse. Die Nachfragen bei verschiedenen Klavierbauern ergaben verschieden Angaben dafür. Einer schob die Ursache den schlechten Saiten zu, ein anderer den Filzen der Hämmer, die bei neueren Flügel besser seien. Erst sehr spät erklärte ein Klavierbauer den wahren Grund als eine Senkung des Stimmbodens. Der Stimmboden unter den Saiten ist durch den Flügelrahmen immer leicht vorgespannt und für den guten Klang fast unsichtbar etwas nach oben gewölbt.
Diesen Fehler beheben die Klavierbauer bei einer professionellen Reparatur dadurch, daß der Flügel zerlegt wird und neu zusammengeleimt wird. Die Kosten sind entsprechend sehr hoch und bei dem Preis eines gebrauchten Flügel nicht akzeptabel. Solche Reparaturen werden in der Regel nur bei historisch wertvollen Flügel durchgeführt.
die einfache Lösung
Bei einer Violine wird die Decke durch einen Stimmstock gestützt. Also stützt man den Stimmboden des Flügels auch. Der Flügel hat unter dem Stimmboden noch ein Balkenkreuz bzw. Balkenstern, das den Flügel konstruktiv verstärkt und zusammenhält. Dessen Abstand zu dem Stimmboden beträgt nur wenige Zentimeter. Nun sucht man einen geeigneten Punkt auf einem dieser Balken dort, wo man die höchste Wölbung des Stimmbodens vermutet.
Dort legt man ein ca. 2 mal 2 cm Holzstückchen und darauf ein ebenso großes Gummi ca. 1 - 2 cm stark z.B. aus einem Schuhabsatz geschnitten so auf den Balken, daß dadurch der Stimmboden etwa 0,5 oder 1 cm mehr nach oben gedrückt wird. Den Klang des Flügels sollte man nach jeder Änderung testen, wobei das Holzstücken gegen ein anderes mit geringerer oder stärkerer Dicke gewechselt wird. Evtl. die Stelle auf dem / den Balken etwas verlegen, bis ein guter Ton erkennbar ist. Keinesfalls den Stimmboden gewaltsam zu sehr hochkeilen. Es geht nicht darum, den Stimmboden maximal herauf zu drücken. Das könnte Risse im Stimmboden provozieren. Lieber einige Wochen abwarten, bis der Klang angepaßt ist. Der Flügel braucht ab jetzt auch weniger gestimmt zu werden. Die Tempaturschwankungen haben nun einen geringeren Einfluß. Der Stimmboden bleibt in einer ähnlichen Art wie vorher schwingungsfähig, weil das Gummi den Auflagenpunkt in der Höhe etwas beweglich hält.